Gute Entscheidungen treffen, solange Änderungen noch einfach sind.
In der Vorproduktion ist eine Geschichte noch beweglich. Szenen können ihren Platz wechseln, Bilder ersetzt und ganze Ansätze verworfen werden. Genau diese Offenheit macht ein Storyboard so wertvoll.
In meinem Alltag als Art Director und Motion Designer bedeutet eine solche Änderung allerdings oft noch etwas anderes: die Präsentation anpassen.
Ich investiere viel Zeit darin, Storyboards verständlich aufzubereiten. KundInnen sollen meinen Gedanken folgen und sich vorstellen können, was entstehen wird. Danach kommen üblicherweise Anpassungen, neue Reihenfolgen und weitere Abstimmungen.
Dieses Vor und Zurück gehört zur kreativen Arbeit. Die wiederholte Aufbereitung kostet allerdings Ressourcen, die ich lieber in die Entwicklung der Geschichte investieren würde.
Mich hat deshalb eine Frage beschäftigt: Wie kann eine Idee beweglich bleiben und gleichzeitig so verständlich sein, dass wir gemeinsam gute Entscheidungen treffen können?
Ideen brauchen eine gemeinsame Vorstellung
Ein Storyboard macht eine Idee sichtbar, während noch vieles offen ist. Wie beginnt die Geschichte? Was passiert zwischen zwei Bildern? Welche Information fehlt? Und haben alle Beteiligten dieselbe Vorstellung davon, was entstehen soll?
Dabei geht es um mehr als die Reihenfolge einzelner Bilder. Ein Storyboard schafft eine Grundlage für Gespräche. Es hilft, Gedanken zu erklären, Annahmen zu prüfen und unterschiedliche Vorstellungen zu erkennen.
Ein Satz im Konzept kann für alle schlüssig klingen und trotzdem ganz verschiedene Bilder im Kopf erzeugen. Sobald die Idee sichtbar wird, lässt sich genauer darüber sprechen.
Was sehen wir gerade? Welche Frage ist offen? Was soll durch eine Änderung besser werden?
Wichtige Entscheidungen lassen sich leichter treffen, wenn die Idee sichtbar und Änderungen noch einfach sind.
Eine fehlende Szene kann ergänzt werden, bevor sie aufwendig produziert wird. Ein Missverständnis lässt sich klären, bevor es die Umsetzung prägt. Dafür braucht es eine Darstellung, die verständlich ist und sich weiterentwickeln lässt.
Zeit für die kreative Arbeit
Neue Technologien machen vieles schneller und zugänglicher. Das interessiert mich sehr. Ich experimentiere gerne und finde heraus, wo sie meine Arbeit sinnvoll erweitern können.
Gleichzeitig möchte ich bewusst entscheiden, welche Teile eines Prozesses ich beschleunige.
Bilder organisieren, Informationen zuordnen und eine Präsentation wiederholt anpassen: Hier können Werkzeuge entlasten. Eine Idee entwickeln, ihre Bedeutung verstehen und beurteilen, ob sie trägt, braucht Aufmerksamkeit, Erfahrung und Gespür.
Gute Lösungen brauchen manchmal Zeit, um zu wirken. Erst mit etwas Abstand wird deutlich, ob eine Idee weiterhin interessant ist oder vor allem im ersten Moment überzeugt hat. Ein Gespräch, eine Beobachtung oder ein Umweg kann die Richtung verändern.
Neue Möglichkeiten verleiten dazu, offene Stellen sofort zu füllen. Dann liegt schnell etwas Plausibles vor, mit dem weitergearbeitet wird, bevor die eigene Perspektive entstanden ist. Darüber habe ich in „Vom Horror vacui zum Horror plenitudinis“ geschrieben.
Meine Haltung dazu ist klar: Kreative Arbeit gehört in die Hände von Kreativen. Werkzeuge dürfen gerne die wiederkehrenden Aufgaben übernehmen.
Für mich liegt darin ein sinnvoller Einsatz von Technologie: Sie schafft mehr Raum für die Arbeit, die menschliches Urteil verlangt.
Daraus wurde storybørter
Aus diesen Überlegungen ist storybørter entstanden: eine browserbasierte App zum Zusammenstellen, Präsentieren und Besprechen von Storyboards.
Ich habe zunächst meinen eigenen Ablauf analysiert und nach Lösungen gesucht. So, wie ich es auch bei anderen Projekten tue: Was muss flexibel bleiben? Wo entsteht unnötiger Aufwand? Was hilft im Gespräch?
Daraus habe ich ein Werkzeug für mich selbst gebaut.
Durch Vibe Coding, also Softwareentwicklung im Dialog mit KI-Werkzeugen, konnte ich Dinge umsetzen, für die mir vorher die technischen Fähigkeiten gefehlt haben. Meine Erfahrung aus mehr als 15 Jahren in der Branche half mir dabei, die Ansätze zu beurteilen und weiterzuentwickeln.
Die tägliche Arbeit wurde zum Maßstab. Hilft dieser Schritt tatsächlich? Bleibt eine Anpassung verständlich? Was funktioniert beim Präsentieren, was unterbricht den Ablauf?
So wurde storybørter nach und nach größer und besser. Es ist inzwischen Teil meiner Arbeitsweise und wird weiter verfeinert.
Ein Einblick in storybørter. Die Produktdemo zeigt den Wechsel vom Board zur Präsentation und zum Feedback.
Was die App unterstützt
storybørter setzt bei vorhandenen Bildern an: Skizzen, Fotos, Illustrationen oder Renderings. Sie können in den Werkzeugen entstehen, mit denen die jeweiligen Kreativen gerne arbeiten.
Im Board werden die Bilder zu einer Abfolge verbunden und ergänzt. Die Präsentationsansicht macht diese Abfolge besprechbar. Rückmeldungen lassen sich einer konkreten Szene zuordnen.
Der Schwerpunkt liegt damit auf dem Wechsel zwischen Aufbauen, Verändern, Präsentieren und Besprechen.
Präsentationen, PDFs, Whiteboards und spezialisierte Storyboard-Programme bieten ebenfalls Wege, eine Idee zu entwickeln und zu zeigen. Für meinen eigenen Ablauf wollte ich die Arbeit am Board und seine Präsentation enger miteinander verbinden.
Die Oberfläche soll dabei möglichst wenig Aufmerksamkeit beanspruchen. Im Mittelpunkt bleiben die Geschichte und die Entscheidungen darüber.
Dieser Ansatz richtet sich besonders an selbstständige Kreative und kleine Teams, die visuelle Konzepte für Film und Animation mit KundInnen oder anderen Beteiligten abstimmen.
Was storybørter nicht ist
storybørter soll keine weitere App sein, die verspricht, den kreativen Prozess mit KI abzukürzen und auf Knopfdruck eine fertige Idee zu liefern.
Das Werkzeug soll helfen, eine Idee zu entwickeln und miteinander zu besprechen. Es soll auch ermöglichen, etwas unfertig zu lassen, Alternativen zu betrachten oder einen Ansatz noch einmal grundsätzlich zu hinterfragen.
Ob eine Geschichte verständlich ist, welche Idee weiterverfolgt wird und wann ein Ergebnis gut genug ist, müssen die Projektbeteiligten beurteilen.
storybørter soll die Organisation erleichtern. Die kreative Verantwortung bleibt bei den Menschen.
Human Direction beim Entwickeln
Human in the Loop beschreibt die Beteiligung von Menschen an automatisierten Abläufen, etwa durch Rückmeldungen, Überwachung oder Entscheidungen.
Für kreative Arbeit reicht mir eine Auslegung zu kurz, bei der ein Mensch hauptsächlich die Vorschläge eines Systems prüft und freigibt.
Kreative Verantwortung beginnt früher: beim Verstehen der Aufgabe, beim Stellen der wichtigen Fragen und beim Entwickeln der Maßstäbe, nach denen eine Idee beurteilt wird.
Darin liegt für mich Human Direction: Menschen prägen die Richtung des Prozesses und tragen Verantwortung für das Ergebnis.
Diese Haltung findet sich auch in der Entstehung von storybørter wieder. Neue Technologien ermöglichen mir die Umsetzung. Meine Erfahrung hilft mir zu entscheiden, was das Werkzeug leisten soll und welche Möglichkeiten sinnvoll sind.
Welche Funktion löst eine wiederkehrende Aufgabe? Welche Ergänzung macht das Produkt komplizierter? Wann sollte ein Ansatz verändert werden?
Ich probiere aus, treffe Entscheidungen und überprüfe sie an der Praxis. Die Verantwortung für die Richtung bleibt bei mir.
Eine Funktion verdient ihren Platz, wenn sie der Arbeit hilft. Dass sie technisch möglich ist, reicht dafür nicht aus.
Gemeinsam weiterentwickeln
Ich gebe storybørter jetzt in der Beta heraus, weil andere Menschen andere Erfahrungen mitbringen. Was für mich selbstverständlich ist, muss für sie noch lange nicht verständlich sein.
Der Einstieg ist direkt möglich: Auf der Website führt „Start a board“ ohne vorherige Registrierung in eine Gastsession. Demo-Storyboards zeigen, wie sich ein Board und seine Präsentation anfühlen. Die Gastsession ist zeitlich begrenzt; die aktuellen Hinweise stehen in der App.
Feedback ist ausdrücklich willkommen. Wo hilft das Werkzeug? Was bleibt unklar? Was fehlt? Und was könnte einfacher sein? Für Fehler und Funktionswünsche gibt es eine Rückmeldemöglichkeit in der App.
storybørter hat mit einem Problem in meiner eigenen Arbeit begonnen. Jetzt möchte ich herausfinden, wie es auch die Arbeit anderer erleichtern kann.
Meine Erfahrung gibt dem Projekt einen Ausgangspunkt. Andere Perspektiven helfen, es weiterzuentwickeln.
Kurzfassung
Storyboards helfen, Ideen gemeinsam zu verstehen und wichtige Entscheidungen zu treffen, solange Änderungen noch einfach sind. Aus dem wiederkehrenden Aufwand beim Aufbereiten und Anpassen seiner Storyboards entwickelte David Oerter die App storybørter. Sie unterstützt Organisation, Präsentation und Feedback. Die kreative Richtung bleibt bei den Menschen. Die Beta lädt zum Ausprobieren und zur gemeinsamen Weiterentwicklung ein.
